Kennst du dieses Gefühl, das sich kaum in Worte fassen lässt? Eine Mischung aus Enge, Traurigkeit, Verantwortungsgefühl – und diesem leisen Gedanken, den man eigentlich gar nicht denken möchte:
Ich will das nicht.
So ging es mir Mitte 2022, als mir die Stelle als Ressortleiterin einer renommierten Frauenzeitschrift angeboten wurde.
Mein erster Impuls? Ablehnen.
Und fast im selben Moment kam die nächste Frage: Warum eigentlich?
War das nicht genau das, was ich immer gewollt hatte?
Schon mit 16 wusste ich, dass ich Journalistin werden möchte. Nicht vielleicht. Nicht irgendwann. Ich wusste es. Schreiben, Geschichten erzählen, Menschen erreichen – das fühlte sich für mich nach Berufung an.
Und dieser Traum hat sich erfüllt.
Mitte 2022 arbeitete ich seit rund fünf Jahren für eine Frauenzeitschrift in der Hamburger Innenstadt. Nun sollte der nächste logische Schritt folgen: von der Redakteurin zur Führungskraft.
Eigentlich eine Erfolgsgeschichte.
Für die ich ziemlich viel getan hatte.
Jahrelang fuhr ich für meinen Job rund 300 Kilometer am Tag. Ich weiß noch genau, wie morgens im Auto NDR Info lief, damit ich nachrichtentechnisch schon vor Arbeitsbeginn auf dem neuesten Stand war. Abends begleiteten mich Hörbücher – bis heute sind mir besonders Die Therapie von Sebastian Fitzek und Die Sumpfloch-Saga von Halo Summer im Gedächtnis. Wenn auf den Elbbrücken gar nichts mehr ging, lief auf dem Display des eingebauten DVD-Players meines Autos The Royals. Was für ein Luxus damals – und eine ziemlich gute Möglichkeit, dem Hamburger Feierabendstau für einen Moment zu entfliehen. Mit dabei waren zudem immer Airwaves Menthol, damit mir auf der restlichen Rückfahrt nicht die Augen zufielen.
Dann war da der Motorschaden auf der B4 nach einem richtig langen Arbeitstag. Und die Tiefgarage, die rund 30 Minuten vom Büro entfernt lag. Ich erinnere mich an unzählige Wege quer durch Hamburg mit Hund, Handtasche, Laptop und allem, was sonst noch mitmusste. Bei Sonnenschein – und natürlich oft bei Regen und Sturm.
Irgendwann bauten mein Mann und ich ein Haus, das näher an meiner Arbeitsstelle lag. Draußen auf dem Land, ohne Bus, Bäcker oder Bar – dafür mit einem großen Garten für unseren Dobermann.
Ich arbeitete viel. Ich war engagiert, fleißig, freundlich, zuverlässig. Ich machte Überstunden, übernahm Verantwortung und war erfolgreich.
Kurzum: Ich machte einen sehr guten Job.
Und dann, mit Mitte dreißig, diese Beförderung.
Ein echter Grund zum Feiern.
Oder?
Ich wollte mich freuen. Wirklich.
Aber da war keine Euphorie.
Da war eine Leere, die mich in den letzten Monaten schon häufiger besucht hatte. Und gleichzeitig diese Enge und dieser Druck – beides alte Bekannte.